Situation und Massnahmen

Liebe Genoss:innen, liebe Kund:innen, liebe Interessierte,

wir hätten niemals damit gerechnet, in so kurzer Zeit schon so unglaublich viel positive Resonanz auf unsere Finanzierungsaktion zu bekommen: Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle an jede:n Einzelne:n von euch, der oder die die Aktion bisher geteilt, mit Freund:innen und Bekannten darüber gesprochen oder eine Zusage ausgefüllt hat!

Wie letzte Woche versprochen, möchten wir euch davon berichten, wie wir in diese Situation gekommen sind und welche Maßnahmen wir nach Erreichung des Ziels ergreifen werden. Dies tun wir, weil Transparenz für uns Teil einer nachhaltigen Unternehmensführung und der demokratischen Struktur unserer Genossenschaft ist.

Bis zu der Eröffnung des Unverpacktladens im November 2019 haben aus finanzieller Perspektive zwei Dinge stattgefunden: Die Crowdfunding Kampagne, bei der wir knapp 40.000 € erhielten, und die Aufnahme von Genossenschaftsmitgliedern mit knapp 90.000 € Anteilen. Insgesamt war dies unser Startkapital, von dem wir die Ausstattung des Ladens, viele personelle Vorbereitungen & die Befüllung unseres Lagers bezahlten. Dieses vergleichsweise geringe Startkapital hat uns damals schon Sorgen bereitet, da es vermutlich nicht ausreichen würde, um die Zeit überbrücken zu können, die wir benötigen, bis genügend Menschen den Unverpacktaden zur Grundversorgung mit trockenen Lebensmitteln und Haushaltswaren nutzen, sodass die Umsätze unsere Kosten decken. Unser vom Genossenschaftsverband der Regionen geprüfter Businessplan sah für diese Überbrückungszeit 2-3 Jahre vor und wir hofften auf ein stetiges Wachstum an Genossenschaftsmitgliedern und -anteilen. Das Startkapital hat dennoch zusammen mit unglaublich großem ehrenamtlichem Engagement von vielen Beteiligten die Eröffnung des Ladens ermöglicht. Erst dann konnten wir Umsätze generieren und die ersten 3 Monate haben uns Hoffnung schöpfen lassen, dass wir bald mit den Umsätzen unsere laufenden Kosten decken können. Mit dem ersten Corona Lockdown im März 2020 sind unsere Umsätze leider stark eingebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war unser Startkapital zum Großteil aufgebraucht und die Kosten, die unsere Umsätze weiterhin überstiegen, haben wir mit dem Kontokorrentkredit unserer Bank finanziert. Im Juni 2020 hielten wir eine Mitgliederversammlung ab und mussten dort gemeinsam entscheiden, ob wir bei den weiterlaufenden Kosten und den nicht absehbar steigenden Umsätzen, unser Geschäftsmodell in der Form weiterlaufen lassen können oder ob wir uns verkleinern sollen. Nachdem wir die Entscheidung zur Erhaltung des Geschäftsmodells mitgenommen hatten, wendeten wir uns also mit einem ersten Aufruf an die Öffentlichkeit, das Angebot des Unverpacktladens vermehrt zu nutzen und außerdem Mitglied bei uns zu werden, um weiteres Eigenkapital zur Verfügung zu haben. Dies hat uns zeitweise höhere Umsätze eingebracht und wir konnten rund 20.000 € mit weiteren Genossenschaftsanteilen generieren, allerdings hielten die hohen Umsätze leider nicht an und insbesondere das Weihnachtsgeschäft 2020 blieb unter den Erwartungen des Vorjahres gefolgt von dem üblichen „Einzelhandelsloch“ im Januar und Februar. Mit den jährlich anfallenden Kosten zur Buchhaltung und Prüfung führten diese relativ geringen Umsätze zu einer kurzzeitig sehr brenzligen Lage Anfang März 2021, in der wir beinahe Insolvenz anmelden mussten.

Nach einem Beratungsgespräch mit einem Anwalt entschlossen wir uns zu der Finanzierungsaktion, denn dieser schätzte unsere Lage folgendermaßen ein: Unsere Genossenschaft war schon vor Ladeneröffnung unterfinanziert und die 2-3 Jahre, die wir zur Amortisierung des Geschäftsmodells eingeplant hatten, hätten wir mit dem vorhandenen Startkapital nicht überbrücken können, aber ob das Geschäftsmodell langfristig tragfähig ist, lässt sich nach den knappen eineinhalb Jahren Geschäftstätigkeit und vor dem Hintergrund der Pandemie nicht endgültig beantworten. Aus diesem Grund sollten wir es, sofern wir genügend weiteres Eigenkapital sammeln können, nochmal probieren.

Dies tun wir jetzt und planen dazu die Umsetzung folgender Maßnahmen: Kurzfristig benötigen wir Eigenkapital, um nicht bald zahlungsunfähig zu werden. Dies haben wir mit Blick auf die Finanzierungsaktion fast erreicht: Danke! Damit bekommen wir die Gelegenheit, zum einen unsere Kostenseite erneut zu prüfen. Aus unserer Sicht haben wir die Einsparpotenziale bei den Kosten so gut wie ausgeschöpft. Gleichwohl bleibt natürlich die Restunsicherheit, dass wir unsere Situation aus der Innensicht falsch bewerten. Deshalb möchten wir gerne eine Unternehmensberatung speziell für Unverpacktläden in Anspruch nehmen, die uns mehr zur Verhältnismäßigkeit unserer Kostenstruktur sagen kann. Langfristig helfen uns aber nur höhere Umsätze und deshalb wollen wir uns vor allem auf solche umsatzsteigernden Maßnahmen konzentrieren, die unser Angebot sinnvoll ergänzen. Dies beinhaltet vor allem verschiedene Projekte und Kooperationen:

  • Das Gemüsekisten-Abo vom Hof Pfau vervollständigt unser Sortiment mit frischen, regionalen, Bio-Lebensmitteln.
  • Das E-Lastenrad „RADieschen“ vom ADFC SiWi erleichtert bald den klimafreundlichen Transport eures Einkaufs zu euch nach Hause.
  • Mit dem Lieferdienst Lozuka könnt ihr bald unverpackte Lebensmittel im Pfandsystem nach Hause bestellen.
  • Foodsharing Siegen wird einen Fairteiler Kühlschrank mit abgelaufenen, aber nicht verdorbenen Lebensmitteln bei uns aufstellen, um Lebensmittelverschwendung zu verhindern und den Zero Waste Gedanken auch dort umzusetzen.
  • Um selber seltene Pflanzensorten anbauen zu können, hat „Siegen isst bunt“ eine Saatgutbörse bei uns aufgestellt, in der ihr euer Saatgut mit anderen tauschen könnt.
  • Mit dem Projekt „Urban Gardening im Kreis Siegen-Wittgenstein“ möchten wir den Außenbereich unseres Cafés mit Hochbeeten verschönern, in denen Lebensmitteln angepflanzt werden sollen.
  • Für irgendwann nach Corona möchten wir endlich wieder ein Workshopprogramm anbieten, um Wissen über einen plastikfreien, nachhaltigen Lebensstil teilen zu können.

Für den Fall, dass bei der Finanzierungsaktion mehr Geld zusammenkommt als wir uns zum Ziel gesetzt haben, ermöglicht uns das noch mehr Freiraum und Zeit bei der Prüfung unseres Geschäftsmodells und der Umsetzung der oben genannten Maßnahmen und erhöht somit die Chance, dass wir unser Angebot langfristig wirtschaftlich tragfähig zur Verfügung stellen können.